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Ambulante Hilfen als wichtiger Baustein in der pädagogischen Arbeit

"Ich muss nicht alles alleine schaffen"

Mit einem Satz springt die Hündin von Betreuerin Myra Hall aufs Sofa – Kater Neilo hinterher. Die beiden kennen sich. Ebenso wie die beiden Frauen, die sich viel zu erzählen haben: Wie läuft es im Job? Wie klappt es finanziell? Was tut sich beziehungstechnisch? Myra Hall vom Walburgisheim in Feucht begutachtet die neue Waschmaschine, will alles ganz genau wissen. Muss alles wissen.





Seit einem knappen Jahr lebt Nadine Schmitz (Name von der Redaktion geändert) allein. Ein großer Schritt für die 20-Jährige, die eine Ausbildung zur Malerin und Lackiererin absolviert. Nicht ihr Traumberuf, doch die Lehre will sie durchziehen, erzählt sie. Der Weg hinter ihr: alles andere als einfach. „Mit acht kam ich ins Heim“, erzählt sie. „Zehn Jahre habe ich dort verbracht. Meine Mutter war damals schwer krank und konnte sich nicht um meine Geschwister und mich kümmern.“ Viel habe sie im Walburgisheim gelernt, findet Nadine. Auch ganz praktische Dinge wie Kochen und Putzen, die sie in ihrer eigenen Wohnung gut brauchen könne.

„Früher hatte ich ein Aggressionsproblem“, sagt Nadine unvermittelt. Ihr Blick senkt sich, ihre leicht verkrampften Hände streichen langsam über den Rücken des Katers, der sich eng an sie drückt. „Immerzu hatte ich das Gefühl, meinen Frust an jemandem auslassen zu müssen“, fährt sie fort.
Erzieher Basti bot ihr in dieser schwierigen Zeit die Stirn – und ist bis heute ein wichtiger Ansprechpartner für die junge Frau.

Im Walburgisheim kennt Nadine so ziemlich alle Stationen, sagt sie: „Irgendwann kam ich in die Jugend-Wohngruppe.“ Als die Mutter starb, war für die junge Frau ein weiterer Tiefpunkt erreicht; der Kontakt zu den Geschwistern tat ihr nicht gut, von ihrem „Erzeuger“ will sie nichts wissen. „Im Betreuten Wohnen hatte ich Probleme mit einer Mitbewohnerin“, erzählt Nadine. Immer stärker verspürte sie den Drang, endlich ihr Leben „auf die Reihe zu kriegen“, träumte von einer eigenen Wohnung. Der Kater springt von Nadines Schoß. „Da kamen dann die Ambulanten Hilfen ins Spiel“, erinnert sie sich. „Für mich eine super Chance und eine Art Elternersatz.“ Ihre Augen gehen über den Tisch hinweg zu Wegbegleiterin Myra Hall, die den Blick erwidert – vor ihr auf dem Tisch der Entwicklungsbericht, den sie anzufertigen hat. „Ich weiß, dass ich jederzeit anrufen kann, wenn ich nicht weiter weiß“, sagt Nadine. „Auf die Nase geflogen“ wäre sie sonst schon so manches Mal, gibt sie zu. „Es tut einfach total gut zu merken, dass ich nicht alles alleine schaffen muss.“


  


Nach und nach soll die Betreuung von Nadine Schmitz auslaufen; zu ihrem 21. Geburtstag gibt‘s ein abschließendes Hilfeplangespräch. „Falls es darüber hinaus noch hin und wieder Redebedarf gibt, werde ich auch dann noch ein offenes Ohr haben“, betont Myra Hall. Die 36-Jährige ist am Walburgisheim mit viel Idealismus und Engagement für die Bereichsleitung Ambulante Hilfen zuständig, denen sich die Einrichtung neben allen anderen Aufgaben seit 2018 widmet. Ziel dieser maßgeschneiderten Maßnahme, für die es einen gesetzlichen Anspruch gebe und die über das Jugendamt laufe, sei die berühmte Hilfe zur Selbsthilfe – mit der Intention, langfristig wieder überflüssig zu werden, so Hall.

Um ihre Klienten aufzusuchen, ist die gelernte Pädagogin viel unterwegs; mit dabei Hündin „Tante Elsa“, die nicht selten als „Türöffner“ fungiert.Auch im Walburgisheim tauchen die beiden im Doppelpack auf. Etwa 
bei Teamgesprächen. Kopfzerbrechen bereitet den Angestellten die immer schwerer wiegenden zusätzlichen Belastungen der Familien durch Corona: „Erst verlieren viele Kinder durch den Distanzunterricht den Anschluss, verfallen in Lethargie, dann geht es nicht selten mit Schulverweigerung weiter, und am Ende wird die soziale Integration zur großen Herausforderung“, erläutert Florian Zieske, stellvertretender Gesamtleiter des Walburgisheims; der 34-jährige Pädagoge rechnet mit vielen neuen Anfragen.

Das Walburgisheim in der Region Nürnberger Land ist aufgeteilt in den Bereich Kindertagesstätte mit Krippe, Kindergarten und Hort sowie in stationäre und integrative Jugendhilfe-Angebote mit insgesamt fünf heilpädagogischen Wohngruppen – drei davon in Feucht, zwei Außenwohngruppen in Nürnberg und im Landkreis Roth – sowie dem Betreuten Wohnen und den Ambulanten Hilfen, über die rund 40 Familien begleitet werden. Bis zu 45 Jungen und Mädchen fördert die Einrichtung in den stationären Angeboten, 165 Kinder werden in Krippe, Kindergarten oder Hort betreut; insgesamt sind im Walburgisheim 110 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig.

 

Ulrike Schwerdtfeger

 

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